Praktikum im Journalismus: Wo du es machst, was du verdienst und wie du dich bewirbst

Ein Praktikum im Journalismus machst du bei einer Zeitung, einer Zeitschrift, einem Sender oder einer Nachrichtenagentur – meist für einige Wochen bis drei Monate, als Pflichtpraktikum im Studium auch länger. Ob du Geld bekommst, hängt von der Art des Praktikums ab: Freiwillige Praktika fallen grundsätzlich unter den Mindestlohn, Pflichtpraktika und Orientierungspraktika bis drei Monate nicht. Viele Redaktionen zahlen trotzdem, der NDR etwa 700 € im Monat. Bewirb dich früh und mit Arbeitsproben.

Stand: 29. September 2026 · Alle Angaben mit Quelle am Ende des Beitrags

Warum ein Praktikum im Journalismus?

„Ohne Praktikum läuft (fast) nichts mehr“, schreibt die Bundesagentur für Arbeit. Praktika können den Berufswunsch präzisieren oder revidieren und erstes journalistisches Handwerkszeug und Kontakte vermitteln (BA-Merkblatt „Wege in den Journalismus“, Stand 08/2022).

Ausprobieren

Laut BA reichen Praktika im Journalismus von einer Woche bis zu mehreren Monaten; mal konzentrieren sie sich auf eine Redaktion, mal umfassen sie mehrere Medien (BA-Merkblatt). So merkst du früh, ob dir die Arbeit liegt – und in welchem Medium.

Voraussetzung für die Ausbildung

Einige Ausbildungen verlangen Praxis: Die Hochschule Hannover setzt für Journalistik ein sechswöchiges redaktionelles Praktikum vor Studienbeginn voraus (Hochschule Hannover). Die Kompaktausbildung der Kölner Journalistenschule verlangt ein mindestens achtwöchiges journalistisches Praktikum oder sechs Monate freie Mitarbeit (Kölner Journalistenschule).

Erfahrung für später

Für ein Volontariat haben laut BA fast nur noch Bewerber mit abgeschlossenem Studium und praktischer redaktioneller Erfahrung Chancen (BA-Merkblatt). Ein zwölfmonatiges Volontärspraktikum im Journalistik-Studium kann laut BA sogar ein Volontariat ersetzen, an der TU Dortmund ist es Teil des Bachelors (BA, TU Dortmund).

Wo du ein Praktikum machen kannst

Die Beispiele zeigen, was die Arbeitgeber selbst angeben; Plätze und Bedingungen ändern sich. Bei den Sendern sind die Praktika oft crossmedial, siehe Radio.

Lokal- und Tageszeitung

  • Main-Post, Würzburg: mindestens vier, idealerweise sechs Wochen; ab 18 Jahren und mit Führerschein; 300 € im Monat (Main-Post)
  • Badische Zeitung, Redaktion Lahr: Pflicht-, freiwillige und Orientierungspraktika von zwei Wochen bis drei Monaten (Badische Zeitung)
  • Madsack: Pflichtpraktika und, je nach Kapazität, freiwillige Orientierungspraktika in den Redaktionen (Madsack)
  • taz, Berlin: jährlich etwa 110 zweimonatige Praktika in den Redaktionen, für eingeschriebene Studierende, 500 € im Monat (taz)

Zeitschrift

Die SPIEGEL-Gruppe bietet Studierenden Pflicht- oder freiwillige Praktika an und erwartet, dass du mindestens drei Monate Zeit mitbringst. Am 29. September 2026 waren unter anderem Praktika bei DEIN SPIEGEL und im SPIEGEL TV Magazin in Hamburg ausgeschrieben (SPIEGEL-Gruppe).

Fernsehen

  • ZDF: freiwillige Praktika nur im ersten Bachelorstudium, einmalig bis zu zwei Monate; Pflichtpraktika bis zu sechs Monate; höchstens zwei Praktika pro Person (ZDF)
  • ProSiebenSat.1: in der Regel drei bis sechs Monate, höchstens zwölf (ProSiebenSat.1)

Radio

  • BR: journalistische Praktika für Studierende mit Produktionen für Radio, Fernsehen und Digitales; erste journalistische Erfahrung wird erwartet (BR)
  • NDR: Praktika ab 18 Jahren, ein bis drei Monate, Pflichtpraktika auch länger; für Absolventen keine Praktika (NDR)
  • WDR: Pflichtpraktika bis sechs, freiwillige bis drei Monate, auch in den Landesstudios (WDR-FAQ, WDR)
  • radio ffn: Praktika dauern mindestens drei Monate, die Nachfrage ist groß (radio ffn)

Nachrichtenagentur

Die dpa bietet Studierenden Praktika, Hospitanzen und Werkstudenten-Stellen an (dpa: Karriere). Ein Beispiel: Praktikum oder Hospitanz bei den dpa-Kindernachrichten, in der Regel vier bis sechs Wochen, für Studierende und Bewerbende ohne abgeschlossene journalistische Ausbildung mit ersten Erfahrungen im Bereich Text; Start 1. Februar 2027 (dpa: Ausschreibung).

Online und Social Media

Online-Arbeit gehört meist zum Praktikum dazu: Beim BR produzierst du auch fürs Digitale, von kurzen Social-Media-Formaten bis zu crossmedialen Beiträgen (BR). Die taz vergibt Praktikumsplätze auch im Ressort Social Media und Community (taz).

Wie lange und wann

Die Dauer legt die Redaktion fest; ein Pflichtpraktikum schreibt deine Ausbildungs- oder Studienordnung vor (BMAS: Glossar Praktikum). Für die Bezahlung ist die Grenze von drei Monaten wichtig, siehe Vergütung. Viele Plätze sind Monate im Voraus vergeben.

ArbeitgeberDauerFür wenWann bewerben
ZDFFreiwillig bis 2 Monate, Pflicht bis 6 MonateFreiwillig nur im ersten BachelorstudiumNur auf ausgeschriebene Stellen (ZDF)
NDR1 bis 3 Monate, Pflicht ggf. längerAb 18, keine AbsolventenInitiativbewerbung in Hamburg wieder ab 12.10.2026 (NDR)
WDRFreiwillig bis 3, Pflicht bis 6 MonateAn einer Hochschule eingeschriebenÜber das Stellenportal (WDR-FAQ)
dpa-Kindernachrichten4 bis 6 WochenStudierende und Bewerbende ohne journalistische AusbildungStart 1. Februar 2027 (dpa)
ProSiebenSat.1Meist 3 bis 6, höchstens 12 MonatePflicht- und freiwillige PraktikaJederzeit auf offene Stellen (ProSiebenSat.1)
SPIEGEL-GruppeMindestens 3 MonateStudierendeÜber das Stellenportal (SPIEGEL-Gruppe)
taz2 MonateEingeschriebene StudierendeAusgeschrieben sind Plätze ab Februar bis September 2027 (taz)
Main-PostMindestens 4, idealerweise 6 WochenAb 183, besser 5 Monate vor dem Wunschtermin (Main-Post)
radio ffnMindestens 3 Monate–Rechtzeitig, die Nachfrage ist groß (radio ffn)

Schülerpraktikum

Der NDR bietet Schulpraktika ab 14 Jahren an; das Schulpraktikum Medienberufe in Hamburg ist für den 14. bis 25. Juni 2027 geplant, die Bewerbung voraussichtlich ab Januar 2027 (NDR). Der BR bietet journalistische Schülerpraktika ab 14 Jahren für die 9. bis 12./13. Klasse bayerischer Schulen an, in München und Nürnberg vier Tage in den Ferien (BR). Der WDR bietet Schülern Pflichtpraktika im Rahmen der Schule an, keine Ferienpraktika (WDR). Beim ZDF sind die Plätze für 2026 vergeben, das Bewerbungsfenster für das 4. Quartal 2027 öffnet voraussichtlich Anfang November 2026 (ZDF). Die Main-Post bietet in der Redaktion keine Schülerpraktika an, dafür Workshop-Tage für 14- bis 18-Jährige (Main-Post).

Was du im Praktikum verdienst

Der gesetzliche Mindestlohn beträgt seit 1. Januar 2026 13,90 € brutto pro Stunde und steigt zum 1. Januar 2027 auf 14,60 € (BMAS). Für Praktika gelten Ausnahmen.

Kein Anspruch auf Mindestlohn

  • Pflichtpraktika im Rahmen von Schule, Ausbildung oder Studium
  • Freiwillige Praktika zur beruflichen Orientierung bis drei Monate
  • Freiwillige Praktika begleitend zu Ausbildung oder Studium bis drei Monate
  • Unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung

Quellen: BMAS: Mindestlohn, BMAS: Glossar Praktikum.

Anspruch auf Mindestlohn

Freiwillige Praktikanten haben laut BMAS grundsätzlich Anspruch auf den Mindestlohn – es sei denn, das Praktikum dient der beruflichen Orientierung oder läuft begleitend zu Ausbildung oder Studium und dauert nicht länger als drei Monate (BMAS: Glossar Praktikum). Entscheidend ist also nicht nur die Dauer, sondern auch, ob das Praktikum vorgeschrieben ist.

ArbeitgeberVergütung im MonatQuelle
ZDF700 € in Mainz und den Landesstudios, 900 € in den Auslandsstudios; 350 € zwischen Schulabschluss und Ausbildung oder StudiumZDF
NDR700 €, außer bei Finanzierung durch Dritte (z. B. Ausbildungsvergütung, Stipendium)NDR
ProSiebenSat.1Pflichtpraktikum 1.000 €, freiwilliges Praktikum 2.410 € (kann je nach Dauer und Zeitpunkt abweichen)ProSiebenSat.1
taz500 € Aufwandsentschädigung, dazu ein Freiabotaz
Main-Post300 €Main-Post

Keine Beträge nennen auf ihren Seiten BR, WDR, dpa, SPIEGEL-Gruppe, Madsack und die Badische Zeitung (BR, WDR, dpa, SPIEGEL-Gruppe, Madsack, Badische Zeitung). Frag vor der Zusage nach, ob und wie viel gezahlt wird.

Bewerbung und Arbeitsproben

Fast alle Redaktionen wollen sehen, was du schon geschrieben oder produziert hast. Beworben wird meist online über ein Portal.

Diese Unterlagen werden verlangt

  • taz: Anschreiben, Lebenslauf, Praktikumsnachweise und etwa sechs Arbeitsproben, als eine PDF (taz)
  • Main-Post: Motivationsschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse und Arbeitsproben, falls vorhanden (Main-Post)
  • Badische Zeitung: Motivationsschreiben mit genauem Zeitraum und gewünschter Dauer, Lebenslauf, Zeugnisse, Arbeitsproben falls vorhanden (Badische Zeitung)
  • BNN: für die Redaktion einige selbst verfasste Texte (BNN)
  • BR: Anschreiben, Lebenslauf, letztes Zeugnis, ggf. Bescheinigungen; bei bestimmten Praktika eine Arbeitsprobe vor Ort (BR)
  • WDR: Lebenslauf und Zeugnisse; Arbeitsproben, wenn die Ausschreibung sie verlangt (WDR)

So läuft es ab

NDR, BR und ZDF nehmen Bewerbungen nur online beziehungsweise nur auf ausgeschriebene Stellen an (NDR, BR, ZDF). Der NDR vergibt Praktikumsplätze in einem anonymisierten Verfahren (NDR-FAQ). Für ein Pflichtpraktikum brauchst du beim ZDF eine Bescheinigung deiner Hochschule, dass die Studienordnung es vorschreibt (ZDF). Bist du minderjährig, müssen beim BR deine Erziehungsberechtigten zustimmen und den Vertrag mitunterschreiben (BR).

Noch keine veröffentlichten Texte? Main-Post und Badische Zeitung verlangen Arbeitsproben nur, falls vorhanden (Main-Post, Badische Zeitung).

Nach dem Praktikum: freie Mitarbeit und Volontariat

Ein Praktikum ist oft der erste Schritt. Laut BA ist das Volontariat in der Regel ein Muss, wenn du später als Redakteur arbeiten willst – und Chancen haben fast nur Bewerber mit praktischer Erfahrung aus freier Mitarbeit für Presse oder Rundfunk (BA-Merkblatt).

1. Praktikum

Du lernst eine Redaktion kennen und bekommst erstes Handwerkszeug und Kontakte (BA-Merkblatt).

2. Freie Mitarbeit

Nach dem Praktikum kannst du der Redaktion Themen als freier Mitarbeiter anbieten und so weitere Arbeitsproben sammeln. Wie du Themen anbietest und abrechnest: Freier Journalist.

3. Volontariat

Mit Arbeitsproben bewirbst du dich auf ein Volontariat; die dpa etwa verlangt Nachweise praktischer journalistischer Erfahrung (dpa: Volontariat). Ablauf, Gehalt und Fristen: Volontariat im Journalismus.

Presseausweis im Praktikum

Im Praktikum arbeitest du für die Redaktion. Akkreditierungen für Termine und Veranstaltungen laufen in der Regel über die Redaktion – frag dort nach, bevor du selbst etwas beantragst.

Bundeseinheitlicher Presseausweis

Er wird nur an hauptberufliche Journalisten ausgestellt (Presserat). Studierende journalistischer, kommunikations- oder medienwissenschaftlicher Studiengänge können ihn laut Merkblatt des Presserats erhalten, wenn sie in einer von journalistischer Tätigkeit geprägten Praxisphase sind oder diese bevorsteht; Praktikanten als eigene Gruppe nennt das Merkblatt nicht (Merkblatt des Presserats, Nr. 4.4).

Eigener Ausweis

Einen eigenen Presseausweis brauchst du erst, wenn du regelmäßig veröffentlichst, etwa als freier Mitarbeiter nach dem Praktikum. Der verbandseigene DVFJ-Presseausweis gilt ab 18, auch nebenberuflich, und kostet 95 € einmalig für 12 Monate (Voraussetzungen). Kein Presseausweis begründet Zutritt oder Akkreditierung – darüber entscheiden Veranstalter selbst. Für Studierende: Presseausweis für Studierende.

Häufige Fragen

Freiwillige Praktika fallen grundsätzlich unter den Mindestlohn von 13,90 € pro Stunde; ausgenommen sind Pflichtpraktika sowie Orientierungs- und studienbegleitende Praktika bis drei Monate (BMAS, BMAS). Viele Redaktionen zahlen trotzdem: der NDR 700 €, das ZDF 700 € in Mainz, die taz 500 € im Monat (NDR, ZDF, taz).

Das hängt von der Redaktion ab: Die dpa-Kindernachrichten nennen vier bis sechs Wochen, die Main-Post mindestens vier und idealerweise sechs Wochen, die taz zwei Monate, die SPIEGEL-Gruppe mindestens drei Monate (dpa, Main-Post, taz, SPIEGEL). Freiwillige Praktika über drei Monate fallen grundsätzlich unter den Mindestlohn (BMAS).

Meistens ja: Die taz will etwa sechs Arbeitsproben, die BNN selbst verfasste Texte, der BR erwartet für journalistische Praktika erste Erfahrung (taz, BNN, BR). Main-Post und Badische Zeitung verlangen sie nur, falls vorhanden (Main-Post, Badische Zeitung).

Arbeitgeber verwenden den Begriff ähnlich wie Praktikum: Die dpa bietet Studierenden Praktika, Hospitanzen und Werkstudenten-Stellen an und schreibt etwa Praktikum oder Hospitanz bei den Kindernachrichten für vier bis sechs Wochen aus (dpa, dpa). Eine einheitliche Definition haben wir in den ausgewerteten Quellen nicht gefunden – frag im Zweifel nach Aufgaben, Dauer und Vergütung.

Ja, bei einigen Sendern: NDR und BR bieten Schülerpraktika ab 14 Jahren an, der WDR Pflichtpraktika im Rahmen der Schule, das ZDF ein Schülerpraktikum mit festen Bewerbungsfenstern (NDR, BR, WDR, ZDF). Die Main-Post bietet in der Redaktion keine Schülerpraktika an, Madsack derzeit keine klassischen Schülerpraktika (Main-Post, Madsack). Mehr: Schülerpraktikum.

Den bundeseinheitlichen Presseausweis bekommen nur Hauptberufliche; Studierende passender Studiengänge können ihn in einer journalistisch geprägten Praxisphase erhalten (Merkblatt des Presserats). Akkreditierungen laufen im Praktikum in der Regel über die Redaktion. Einen eigenen Ausweis wie den DVFJ-Presseausweis ab 18 brauchst du erst, wenn du regelmäßig veröffentlichst: Voraussetzungen.

Weitere Themen

Volontariat

Ablauf, Gehalt nach Tarif und Bewerbung.

Journalist werden

Studium, Journalistenschule, Volontariat, Quereinstieg.

Journalist Gehalt

Tarifgehälter, Median und Honorare 2026.

Freier Journalist

Themen anbieten, Honorare, Anmeldung beim Finanzamt.

VG Wort

Anmeldung, T.O.M., METIS und Ausschüttung.

Journalistenschulen

Kosten, Dauer und Aufnahme im Vergleich.

© Copyright - DVFJ Deutscher Verband Freier Journalisten